Foto: Maria Kny

Brücken bauen, nicht Mauern

Vom 1.-3. März 2019 fand im Tagungszentrum der Fokolar-Bewegung in Ottmaring (D) ein Begegnungswochenende für Christen und Muslime statt mit der Teilnahme von knapp 100 Erwachsenen und 20 Kindern, fast genau zur Hälfte Muslime und Christen, unter  ihnen 12 Personen (7 Muslime, 1 Bahai und 4 Christen) aus der Schweiz. Was passiert, wenn Christen und Muslime aufeinander zugehen?

„Der Dialog zwischen Christen und Muslimen ist eine Notwendigkeit für das friedliche Zusammenleben“, betonte Hasan Taner Hatipoglu aus Zürich (vollständiges Interview als pdf-Dokument abrufbar). „Wenn jeder und jede von uns sich in diese Richtung bemühen würde, könnten wir vorwärtskommen. Deswegen nehme ich gerne die Aufforderung Gottes an, und werde weiterhin versuchen, meinen sehr kleinen Beitrag zum Dialog zu leisten“. Damit drückt er aus, was der Grundtenor dieser Begegnung war.

Im Bildungszentrum Eckstein in Baar haben in den vergangenen Jahren bereits verschiedene schweizweite Tagungen zum Dialog zwischen Muslimen und Christen stattgefunden. Dieses Mal wurde der Horizont weiter gesteckt und auf Deutschland und Österreich ausgeweitet. Die geistliche Grundlage für diesen Dialog ist und bleibt die „Goldene Regel“, die sich in ähnlicher Form in nahezu allen Religionen findet: „Was du dir von den anderen erwartest, das tu auch ihnen“ (Mt 7,12).

Keine Religion ruft zu Hass und Gewalt auf

Das Publikum in Ottmaring konnte nicht unterschiedlicher sein, doch allen war eines gemeinsam: die feste Verwurzelung in der eigenen Religion und die bereits durch viele Erfahrungen bestärkte Gewissheit, dass das Gespräch miteinander, das gemeinsame Engagement für Frieden und Gerechtigkeit nicht nur das persönliche Leben bereichern, sondern auch ein wirksames Gegenmittel sind gegen Gewalt, Hass, Intoleranz und Abschottung in der Gesellschaft. Die Referenten, u.a. Prof. Merdan Günes von der Universität Osnabrück, Timo Günzelmansur, der Dialogbeauftragte der deutschen Bischofskonferenz, und Personen des öffentlichen Lebens, wie Hasan Hatipoglu aus Zürich, beleuchteten aus christlicher und islamischer Sicht das Leben mit Gott, die Beziehung zum Nächsten und die Einstellung zum interreligiösen Dialog. Für viele war es eine Überraschung, dass den monotheistischen Religionen doch mehr gemeinsam ist, als man vermutet. Die vielen sehr konkreten Erfahrungsberichte der Teilnehmer aus dem Alltag des Miteinanders, die Videoaufzeichnungen von internationalen Begegnungen und die fröhlichen Begegnungen am Abend ohne Berührungsängste bestätigten im Kleinen die Aussagen, die beim Besuch von Papst Franziskus in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Februar dieses Jahres immer wieder anklangen: Keine Religion ruft zu Hass und Gewalt auf, auch wenn Extremisten immer wieder der Welt weismachen wollen, dass ihre Gewalt aufgrund ihres religiösen Glaubens gerechtfertigt sei.

Das Begegnungswochenende in Ottmaring war ein sehr konkretes Hoffnungszeichen.

Was passiert, wenn Christen und Muslime aufeinander zugehen? Lesen Sie im angehängten Dokument ein Interview mit Hasan Taner Hatipoglu. Er war am Begegnungswochenende in Ottmaring dabei, ist gläubiger Muslim und Schweizerbürger türkischer Herkunft.

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