Die drei Mitbegründer
Igino Giordani (Foco), der Polemiker - Pasquale Foresi, der Theologe - Bischof Klaus Hemmerle, der Philosoph, Theologe und Maler
Foto: Marcel Caduff

Die Mitbegründer

In der Geschichte der Fokolar-Bewegung gibt es – neben Chiara Lubich – drei Personen, von denen prägende Impulse für die gesamte Bewegung ausgingen.

Gemeinsam mit dem Politiker und Publizisten Igino Giordani (1896 -1981) und dem Theologen Pasquale Foresi (1939-2015) ist auch Bischof Klaus Hemmerle (1929-1994) eine dieser Gestalten.

IGINO GIORDANI - FOCO

Alle nannten ihn „Foco" (Feuer). Obwohl er überzeugter Pazifist war, wurde er im Ersten Weltkrieg als Offizier eingezogen. Er wurde schwer verwundet und für seinen Einsatz ausgezeichnet. Giordani war Lehrer, Antifaschist, Bibliothekar, verheiratet, Vater von vier Kindern, bekannter katholischer Politiker, Verfechter christlichen Engagements in der Politik, Schriftsteller und Journalist. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er als kämpferischer Antifaschist im Exil verbrachte, wurde er ins italienische Parlament gewählt. Giordani trat für die Anerkennung des Laienstatus in der Kirche ein und war ein Pionier der Ökumene.

PASQUALE FORESI

Chiara Lubich sah in Pasquale Foresi eine Persönlichkeit, die von Gott dazu berufen worden war, die Spiritualität der Einheit in konkrete, fassbare Werke zu übertragen.  
Pasquale Foresi lernte Chiara und die entstehende Fokolar-Bewegung 1949 kennen. Er war ein junger Mann auf der Suche. Nachdem er glaubte, zum Priester berufen zu sein, trat er ins Priesterseminar in Pistoia ein und besuchte auch das Collegio Capranico in Rom. „Ich war froh über meine Entscheidung", so erzählte er selbst, „doch eines Tages traten Zweifel auf. (...) Da ich es unehrlich fand, mit diesen Zweifeln weiter zu studieren, habe ich das Studium unterbrochen. In jener Zeit lernte ich die Fokolar-Bewegung und damit Menschen kennen, (...) die sich absolut zur katholischen Kirche bekannten und gleichzeitig ein radikales Leben nach dem Evangelium führten. Ich verstand, dass mein Platz bei ihnen war, und kurze Zeit später ist die Idee, Priester zu werden, wieder aufgetaucht."

KLAUS HEMMERLE

Wegweisend für ihn war der Abend des 27. November 1944. Das Zentrum von Freiburg im Breisgau (Deutschland) wird durch einen Bombenangriff nahezu komplett zerstört. Auch das Haus seiner Eltern geriet in Flammen. Gemeinsam mit seinen Eltern musste Hemmerle mit ansehen, wie alles, was ihnen lieb war und ihr Leben prägte, verbrannte. Er hatte einen Erzählband vor den Flammen gerettet. Es trug den Titel: „Die dunkle Nacht“ und beschäftigte sich mit dem Wirken des spanischen Mystikers Johannes vom Kreuz (1542-1591). Autor war der deutsche Schriftsteller Reinhold Schneider (1903-1958).

Dunkle Nacht
Klaus Hemmerle war da 15 Jahre alt. Sein bisheriges Leben war gespannt zwischen Traum und Trauma. Hemmerle beschrieb das so: "Der Traum: das Schöne, das mir auf verschiedene Weise, durch Kultur, Natur und Menschen entgegenkam. Das Erschrecken: die Schrecklichkeiten und Unmenschlichkeiten des Krieges und des nationalsozialistischen Regimes, über die mich schon sehr früh in schonungsloser Deutlichkeit die Eltern informierten. Auf der einen Seite etwas Unzerstörbares – auf der anderen Seite die Zerstörung der Werte und Kräfte, die Zukunft ermöglichen.“

In diese Spannung hinein traf Hemmerle die Botschaft Reinhold Schneiders. Es war – so Hemmerle - „das lebendige Zeugnis eines Menschen, der im Betroffen Sein vom Kreuz die beiden Pole miteinander verband, dem Schrecklichen ins Auge schauend, aber auch jener Liebe, die das Schreckliche annimmt, trägt und verwandelt.“ Seit Kindertagen begleitete Hemmerle der Wunsch, katholischer Priester zu werden. Nach den Zerstörungen dieser Nacht wurde dies „ein Wille. Hatte ich nicht etwas erfahren, das ich weitergeben sollte?“

Begegnung mit dem Fokolar
Im Sommer 1958 – er war seit sechs Jahren als katholischer Priester tätig – reiste er von Freiburg im Breisgau in die Dolomiten - genauer nach Fiera di Primiero nahe Trient. Dort fand ein Sommertreffen statt, zu dem Menschen aus aller Welt gekommen waren, um die Fokolar-Bewegung kennenzulernen. Klaus Hemmerle erinnert sich: „Hier wurde in einer neuen und unmittel­baren Weise versucht, die biblische Botschaft von der Liebe zur Grundlage eines buchstäblich gelebten Christentums werden zu las­sen (...). Zum ersten Mal habe ich da Gott wirklich erfahren.“

Sein ganz spezifischer Beitrag zur Fokolar-Bewegung hat zwei Schwerpunkte: Er gab zum einen den entscheidenden Anstoß zur Entwicklung einer eigenen Theologie, die der Fokolar-Spiritualität zugrunde liegt. Er nahm regelmäßig an den Sitzungen des durch ihn mitbegründeten interdisziplinären Studienzentrums „Schule Abba“ teil. Zum anderen brachte er eine weltweite ökumenische Weggemeinschaft mit Bischöfen unterschiedlicher Nationalitäten und Konfessionen auf den Weg, die sich an der Spiritualität der Fokolar-Bewegung orientieren.

Klaus-Hemmerle-Preis
Die Fokolar-Bewegung in Deutschland hat zum zehnjährigen Todestag von Klaus Hemmerle 2004 einen Preis gestiftet, mit dem sie alle zwei Jahre Personen ehrt, die sich im Sinne des Aachener Bischofs als Brückenbauer ausgezeichnet haben und sich für den Dialog zwischen Kirchen, Religionen und Weltanschauungen engagieren.